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Auf dem höchsten Gipfel Europas

13.05.2017 22:13

Dr. Michele Ufer erfolgreich beim Red Fox Elbrus Race auf den höchsten Gipfel Europas

Rund 350 Topathleten, Alpinisten, Bergläufer und Trail Runner aus der ganzen Welt sind im Kaukasusgebirge im Süden Russlands zusammengekommen und haben sich beim Red Fox Elbrus Race in fünf Bergsport-Disziplinen gemessen. Unter den diesjährigen Teilnehmern war auch Dr. Michele Ufer. Nach zweijähriger Verletzungspause ging er als Teil eines Deutschen Teams erstmals wieder bei einem offiziellen Rennen an den Start und erreichte überglücklich den Gipfel des Elbrus.

Bei manchen Einladungen kann man einfach nicht nein sagen. Als Dr. Michele Ufer, international gefragter Experte für Sport und Managementpsychologie, vom Veranstalter des Red Fox Elbrus Race eine Einladung in den Kaukasus erhielt, war Michele Ufer sofort klar, dass daheim schleunigst einige Termine verschoben werden müssen. Ufer konnte nicht nur als Athlet bei diesem Extremsport-Event teilnehmen, sondern auch psychologische Forschungsdaten für sein Projekt über Selbstführung und Spitzenleistung unter extremen Bedingungen erheben.

Für eine Woche wurde das kleine Bergdorf Azau am Fuße des mächtigen Elbrus zum Dreh- und Angelpunkt einer außergewöhnlichen Wettkampfwoche. Nach Einzel- und Team-Wettbewerben im Skibergsteigen fand der sogenannte „Vertikale Kilometer“ statt. Dabei mussten die Athleten auf einer Skipiste von 2350m bis auf 3350m so schnell wie möglich 1.000 Höhenmeter bewältigen. Dieses Rennen galt als Qualifikation für die Königsdisziplin, die am Sonntag, den 7.5.2017 stattfand: ein Skymarathon bzw. Sky Race auf den Gipfel des Elbrus (5642m). Als höchster Berg Europas und somit einer der „Seven Summits“ ist dieser Gipfel auch unter Bergsteigern sehr beliebt.Während Bergsteiger für eine Besteigung des höchsten Berges Europas in der Regel mehrere Tage veranschlagen, stehen den Athleten bei diesem Extremrennen jedoch nur wenige Stunden zur Verfügung.

Der Startschuss des Skymarathons war in Azau auf ca. 2350m und richtete sich insbesondere an die „Profis“. Das Skyrace begann am Basecamp in 3760m Höhe, hier konnten auch die nicht-professionellen Sportler teilnehmen. Das Ziel beider Rennen war allerdings das gleiche: den Gipfel des Elbrus möglichst schnell zu erreichen. Aufgrund der großen Höhe und klimatischen Bedingungen am vergletscherten Berg ist das bei beiden Varianten bereits eine außerordentliche Herausforderung. Kurz vor dem Rennen wurden auf dem Gipfel -35°C gemessen. Alpine Ausrüstung und Steigeisen sind Pflicht. Hinzu kam, dass das Zeitlimit für das Erreichen des Gipfels lediglich maximal 6,5 Stunden betrug. Im Anschluss musste wieder zurück gelaufen und die Startlinie bis 16 Uhr erreicht werden, da ansonsten ebenfalls die Disqualifikation drohte. All das macht das Red Fox Elbrus Race zu einem der schwierigsten Events seiner Art. Die Ausfallquote von 30 % bis weit über 50% spricht für sich.

Zum zweiten Mal ging dieses Jahr der Ausnahmeathlet und mehrfache Rekordhalter im Speedbergsteigen, Karl Egloff, an den Start. Der in Ecuador in 2800m Höhe lebende Bergführer hat im Rahmen des Rennens einen zweifachen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt:  Egloff erreichte in fantastischen 3:24:14 Std. den Gipfel. Neuer Rekord für die schnellste Besteigung des Elbrus! Für den Abstieg benötigte er weniger als eine Stunde, sodass er nach 4:20:45 Std. den Talort in Azau erreichte. Ebenfalls ein neuer Rekord für den schnellsten Auf- und Abstieg. Eine unglaubliche Leistung, die vor Ort für großes Staunen und Begeisterung sorgte.

Von solchen Ambitionen war Dr. Michele Ufer nach seiner langen Verletzungspause weit entfernt. Er wollte einfach nur endlich wieder Wettkampfluft schnuppern und den Gipfel im vorgegebenen Zeitrahmen erreichen. Eigentlich war Ufer für das kürzere Rennen angemeldet. Da er sich an den Tagen vor dem Hauptrennen überraschend gut fühlte und im Rahmen einer Akklimatisierungstour den Gipfel des Elbrus bereits einmal erreichte, wollte er den Versuch wagen und erhielt einen Startplatz beim langen Rennen in der Profiklasse. „Eigentlich ziemlich verwegen, denn die Jungs, die hier starten, sind top durchtrainiert und vor allem eines: sehr gut akklimatisiert. Sie leben entweder in den Bergen und in größeren Höhen. Oder sie haben die Möglichkeit, regelmäßig Höhenluft zu schnuppern und Bergläufe und Bergsteigen zu trainieren, wie meine Kollegen aus dem Allgäu. Da muss ich als Ruhrpottler natürlich kleinere Brötchen backen. Die Hügel in Dortmund und Herdecke bieten definitiv keine guten Vorbereitungsmöglichkeiten für so eine Herausforderung. Es ging mir deshalb auch nicht um Wettkampf oder Ranking. Ob ich es überhaupt schaffen würde, im Zeitfenster der Cracks anzukommen, das stand für mich auf Messers Schneide, aber genau das machte den Reiz für mich aus“, erläutert Ufer.

Während rund ein Drittel der Athleten des Skymarathons es nicht geschafft hat, innerhalb der Cutt-off-Zeit von 5,5 Stunden den Sattel auf 5200m zu erreichen und deshalb ausgeschieden ist, konnte Ufer dieses Zeitlimit einhalten und weiter Richtung Gipfel laufen. Leider wurde das Wetter jedoch sehr schlecht: Sturm, Wolken, Schnee, Kälte und eine mangelnde Sicht setzten den Athleten zu. Letztlich wurde das Wetter so stürmisch und die Bedingungen am Berg gefährlich, dass die Organisatoren den Gipfel-Checkpoint schließen und absteigen mussten.

Das führte dazu, dass Ufer unglaubliche 28 Meter, bevor er selbst den Gipfel erreichte, umkehren musste. „Da kam nach all den Strapazen natürlich zunächst totaler Frust auf. Aber die Organisatoren trösteten mich direkt, machten ein Foto von mir und von meiner Uhr bzw. den Höhenmetern und meinten dann, dass ich auf jeden Fall in der Wertung bleibe, da ich ja so gut wie auf dem Gipfel und auch deutlich im Zeitlimit bin. Natürlich war das eine gute und absolut richtige Entscheidung. Die Gesundheit und Sicherheit gehen vor. Und letztlich ist immer der Berg der Chef und sagt, was Sache ist. Man sollte auf ihn hören“, so Ufer

 

 

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